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Wortbildungs-Wiki auf Grundlage der zur Examsvorbereitung genannten Werke

GrundlegendesBearbeiten

Im Deutschen existieren 3 wesentliche Grundtypen der Wortbildung: Komposition, Derivation und Konversion. Primäre Funktion der Wortbildung ist die Lexikonerweiterung. Ein Wort gilt als lexikalisiert, wenn es im normalen Gebrauch der Sprecher einer Sprache oder von bestimmten Sprechergruppen aufgenommen worden ist. Sodann gehört es zum Wortschatz, ist bekannt und wird verwendet. Lexikalisierte Wörter können, müssen jedoch nicht demotiviert sein. Sofern sie motiviert sind, lässt sich anhand der Bestandteile der Wortbildung jene semantisch bestimmen. Sind sie demotiviert, sprechen wir von Idiomen.

Wird ein Wortbildungstyp in der Gegenwart mehrfach als Muster für Neubildungen genutzt, wird er als produktiv angesehen. So ist beispielsweise die Regularität auf der die Bilung des Partizip 1 beruht, produktiv. Beliebiger Verbstamm + -(e)nd = schlafend, schreibend. In solch einem Falle sagt man auch, dass Suffix -(e)nd sei produktiv. Regularitäten, nach denen Wörter strukturiert sind, aber eine Wortbildung nur in begrenzten Reihen möglich ist, werden als aktiv bezeichnet. Daher ist auch von aktiven Affixen die Rede. Aktive Wortbildungen sind morphologisch wie semantisch transparent (s.u.).

Für nicht alle möglichen neuen Wortbildungen besteht indes Bedarf. Eine Wortbildung wie Stehler wäre prinzipiell möglich, doch eine solche ist durch die Existenz einer bereits vorhandenen Bezeichnung hierfür (Dieb) blockiert.

Morphologisch und semantisch transparente Wörter: Die morphologische Struktur solcher Wörter ist evident und ihre Bedeutung erschließt sich kompositionell. Beispiel: Lehrer - Der Stamm Lehrer besteht aus dem Verbstamm lehr und dem Suffix -er. Die Bedeutung von Lehrer ist, grob gesagt, "Jemand, der lehrt". Sie ergibt sich aus der Bedeutung des Verbstammes und der morphosemantischen Funktion des Suffixes -er. Eine solche Bildung von er-Substantiven mit Verbstämmen ist indes nicht immer durchführbar (*Schmerzer, *Freuer) und daher systematisch beschränkt.

Morphologisch, nicht aber semantisch transparente Wörter: Bei solchen Wörtern ist der Bezug auf einen Verbstamm möglich (Bauer, Füller). Ihre normale (verbreiteste) Bedeutung werden wir jedoch nicht kennzeichnen mit "Jemand, der x-t"

Wörter mit Pseudosuffix: Des weiteren finden sich im Lexikon eine große Zahl von Wörtern, die von der lautlichen Substanz her so aussehen wie die genannten, jedoch nicht ihre morphologische Struktur haben (Teller, Kater, Eimer). Diese sind weder morphologisch noch semantisch transparent. Daher wird das -er in solchen Wörtern meist als Pseudosuffix oder "charakteristischer Wortausgang" bezeichnet.

Morphologische Kategorien, Strukturen, FunktionenBearbeiten

Zur Formseite jeder Wortform gehört eine Folge von einfachen morphologischen Einheiten. Diese werden als Morpheme bezeichnet. Zum wesentlichen Inventar der Morpheme gehören die Stammformen, die Affixformen und die Konfixformen. Hinzu kommt ferner die Konstituentenkategorie morphologischer Rest, die eine Reihe von nicht mehr produktiven Affixen umfasst, wie etwa das -t in Fahrt oder das -en in Streifen. Mit der Bezeichnung morpholgischer Rest wird zum Ausdruck gebracht, dass solche Einheiten nur noch einen marginalen Status als morphologische Einheiten haben.

Hinsichtlich des Grammatikalisierungsgrades ergibt sich für die genannten einfachen morphologischen Einheiten folgende Ordnungsrelation:

Stämme >> Konfixe >> Affixe >> Reste


Stammgruppen und StammformenBearbeiten

Eine einfach morphologische Einheit wird als Stammform bezeichnet. Demgegenüber stellt die Stammgruppe eine komplexe morphologische Einheit dar. Eine solche Stammgruppe enthält mindestens eine Stammform und eine weitere morphologische Einheit, die kein Rest ist.
Stammgruppen









Der Unterschied zwischen einfachen und komplexen Einheiten schlägt sich beispielsweise bei der Bildung von Präfixverben nieder. So kann das Präfix zer- fast ausschließlich in Verbindung mit einfachen Stämmen auftreten (zerhacken, zertreten). Im Falle des Präfixes ver- ist eine solche Beschränkung nicht gegeben (verunglimpfen). Derartige Sachverhalte werden mit dem Unterschied von Stammformen und Stammgruppen erfasst.


AffixgruppenBearbeiten

Flexionsaffixe wie in Brüdern, fuhrst, oder kleines schließen eine Form nach rechts ab. Weitere Einheiten lassen sie nicht zu. Solche Suffixe nennt man terminale Suffixe. Terminale Suffixe bilden mit der übrigen Form zusammen Einheiten der Kategorie Affixgruppe. Terminal sind die Flexionsaffixe, deren Kategorie in der Hierarchie des betreffenden Paradigmas ganz unten steht, also die Personensuffixe bei den Verben und die Kasussuffixe bei den Substantiven und Adjektiven.

Affixgruppen









Morphologische Markierungskategorien und ParadigmenBearbeiten

Die Stammform ohne Umlaut (klug) wird als unmarkiert bezeichnet. Die Stammform, welche Umlaut aufweist (klüg-), gilt als markiert. Die hier gegebenen Beispiele klug und klüg- sind nun Stammformen desselben Adjektivs, in gleicher Weise wie Buch und Büch- Stammformen desselben Substantivs und schwimm, schwamm und schwomm Stammformen desselben Verbs sind. Jede dieser Formen unterscheidet sich durch morphologische Einheitenkategorien von den anderen und diese Menge von Stammformen bilden ein morphologisches Paradigma.

Morphologische Paradigmen, Adjektiv und Substantiv

klug = {<klug, {Grundvokal}>, <klüg-, {Umlaut}>}

Buch = {<Buch, {Grundvokal}>, <Büch-, {Umlaut}>}


Morphologische Paradigmen, Verben

Schwache Verben weisen im morphologischen Paradigma nur eine Stammform auf. Starke Verben aufgrund von Ablaut, Umlaut und Hebung bis zu fünf. (Abl. 0 = Stammform mit dem unabgelauteten Grundvokal. Sofern dieser gehoben wird, dient er der Bildung der 2. und 3. Person des Präsens und dem Sg. des Imperfekts. Abl. 1 = Stammform mit dem ersten Ablaut der ein umgelautetes Gegenstück besitzt. Abl. 2 bezeichnet die Stammform mit dem zweiten Ablaut zur Bildung des Partizip 2.)

werf = {<werf, {Abl. 0, Grundvokal}>,<wirf, {Abl. 0, Hebung}>,<warf, {Abl. 1, Grundvokal}>,<würf, {Abl. 1, Umlaut}>,<worf, {Abl. 2}>}


Morphologischer Status

Abgesehen von ihrer Form lassen sich Stammformen auch in Hinblick auf ihre morphologische Verwendung kategorisieren, je nachdem ob sie für die Flexion, die Derivation, die Bildung von Konfixen oder die Komposition verwendet werden. Wir sprechen hier von Kategorisierung in Hinsicht auf den morphologischen Status. Bei einem Verbstamm wie klag gibt es etwa die Flexionsstammform klag- >> klagen, die Derivationsstammform kläg- >> kläglich, Kläger und die Kompositionsstammform klage >> Klagemauer. In Hinblick auf den morphologischen Stauts bildet der Verbstamm klag folgendes morphologisches Paradigma:

klag = {<klag, {Flexionsstammform}>,<kläg, {Derivationsstammform}>,<klage, {Kompositionsstammform}>

Indes sind nicht alle Stammformen innerhalb all dieser Klassen wortfähig. So ist die Stammform chem- beispielsweise nicht innerhalb der flektierenden Klasse stammfähig, da eine solche Stammform nicht existiert. Da chem- indes über eine Konfixstammform verfügt, ergibt sich folgendes morphologisches Paradigma:

chem = {<chem, {Grundform}>,<chem, {Derivationsstammform}>,<chemo, {Konfixstammform}>


Lexeme:

Ein Lexem ist die einem grammatischen Paradigma zugrunde liegende Einheit und klassifiziert diese mit einer Bedeutung. In der Morphologie gibt es vier Grundkategorien von Lexemen: Stämme, Affixe, Konfixe, Reste

Stämme werden hinsichtlich ihrer syntaktischen Grundverwendung kategorisiert: Adjektivstämme, Substantivstämme, Verbstämme und der Adverbstämme

Bei den Affixparadigmen kategorisieren wir nach der morphologischen Verwendung in Derivationsaffixe oder Flexionsaffixe. Die Derivationsaffixe gliedern sich wiederum in Suffixe, Präfixe, Infixe und Zirkumfixe. Ferner erfolgt eine zweite Kategorisierung in Hinblick auf die Betontheit: betont - unmöglich, skandalös, unbetont - gelblich. Schließlich erfolgt eine dritte Katgorisierung in Hinsicht auf Basis und Zielkategorie der Derivation. So bildet -ling Substantivstämme auf der Basis von Adjektivstämmen (Schönling) und -lich Adjektivstämme auf der Basis von Substantivstämmen (freundlich).

Affixklassifikation









Morphologische FunktionenBearbeiten

Im Deutschen können Derivationsaffixe Köpfe oder Modifikatoren sein. An beide ist keine Bedeutung, sondern im Allgemeinen eine morphosemantische Funktion gebunden. So hat beispielsweise das Dervationssuffix -ling als Kopf die semantische Funktion Personenbezeichnungen bestimmter Art zu bilden.


KopfBearbeiten

Der Kopf einer morphologischen Einheit bezeichnet diejenige ihrer Teileinheiten, die die Grammatik der Gesamtheit nach Außen bestimmt. Beispiel: -lich ist der Kopf von freundlich, weil freundlich ein Adjektiv ist und diese Tatsache am Vorhandensein von -lich festgemacht werden kann. Aus diesem Grunde gehören Derivationssuffixe zu den Köpfen.


KernBearbeiten

Der Kern bezeichnet diejenige Teileinheit einer morphologischen Einheit, die - als Morphem - die Grundbedeutung des ensprechenden Wortes trägt. Dieses Morphem wird daher auch als Kernmorphem bezeichnet. Es kann sich hierbei um einen Stamm oder ein Konfix handeln. Jedoch kann weder ein Affix noch ein Rest die Funktion eines Kerns übernehmen.


ModifikatorBearbeiten

Unter Modifikation wird die Veränderung der lexikalischen Bedeutung eines Wortes durch einen Wortbildungsprozess innerhalb ein und derselben Wortart und derselben Bezeichnungsklasse verstanden. Ein gebräuchlicher Modifikator ist etwa das Nominalpräfix -un. Es kann sowohl bei adjektivischen wie substantivischen Stämmen stehen, wobei die präfigierte Form wieder ein Adjektiv bzw. Substantiv ist.

Beispiel: brauchbar >> unbrauchbar ; Schuld >> Unschuld

Vor allem bei den Komposita und bei den Verbpartikeln spielen Modifikatoren eine Rolle.

Beispiel: Licht >> Abendlicht ; gehen >> weggehen

Obgleich Eisenberg postuliert, dass Modifikatoren im Deutschen linksperipher beschränkt zu sein scheinen, führt der Duden auch das Suffix -chen (der Löffel >> das Löffelchen) als Modfikator an. Womöglich sieht Eisenberg von einer solchen Zuordnung ab, weil sich infolge einer solchen Suffixderivation bei den betreffenden Substantiven das Genus ändert.


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